6.2.3.1 Selbstkonzept

1. Oktober 2015 Zitate

peterduschwuchtel:

(S.92)
Das Selbstkonzept stellt die kognitive Repräsentation des Selbst dar. Hierzu gehören sämtliche Wissensbestände sowie Annahmen bzw. Überzeugungen, welche ein Individuum über die eigene Person hat. Beim Selbstkonzept handelt es sich somit um ein selbstbezogenes Wissenssystem. Dabei wird angenommen, dass unsere Selbstkonzepte (oder Selbstschemata) bestimmen, welche Informationen wir überhaupt als selbstbezogen wahrnehmen und wie wir diese strukturieren. Epstein (1991) spricht in diesem Sinne von einer Theorie, die eine Person über sich selbst gebildet hat. Diese Selbsttheorie weist nach Epstein (1991) folgende Funktionen auf: (1) Assimilation der Daten aus der Realität und Erhaltung des konzeptuellen Systems, (2) Ehaltung einer ausgewogenen Lust-Unlust-Balance, (3) Erhaltung der Verbundenheit zu anderen Individuen und (4) Erhaltung eines wünschenswerten Ausmaßes an Selbstachtung.

Woher erhalten wir die Informationen, um eine Theorie bzw. ein Konzept von der eigenen Person zu konstruieren? Als wesentlichste Quellen für den Aufbau und den Wandel von Selbstkonzepten gelten seit der umfassenden theoretischen Analyse von Filipp (1979) folgende Formen von Prädikatenzuweisungen:
Direkte Prädikatenzuweisung durch andere Personen: Eine direkte sprachliche Merkmalzuschreibung (z.B. “ Du bist ein fauler Schüler”) geht von einem unidirektionalen Wirkungsgefüge aus, in dem Fremdzuschreibungen ( die Urteile anderer) den Selbsturteilen ursächlich vorausgehen.
Indirekte Prädikatenzuweisung durch andere Personen: Indem sich Menschen anderen gegenüber in spezifischer Weise verhalten, vermitteln sie ihm auch Informationen über die eigene Person. Indirekte Merkmalzuschreibungen sind also solche, die eine Person im Zuge interpretativer Schlussfolgerungen aus dem Verhalten anderer gewinnt.
Komparative Prädikatenselbstzuweisung: Menschen vergleichen sich bezüglich verschiedener Merkmale mit anderen und generieren hierdurch Merkmalszuschreibungen für die eigene Person (z.B. “Ich bin intelligenter als Hans”).
Reflexive Prädikatenselbstzuweisungen: Selbstbezogene Informationen werden aus der Selbstbeobachtung des eigenen Verhaltens und den daraus gezogenen Rückschlüssen gewonnen. Beispielsweise kann sich eine Person während der Prüfung beobachten (z.B. schnellen Herzschlag und fehlenden Sprachfluss wahrnehmen) und daraus schließen, dass sie wohl ein prüfungsängstlicher Mensch ist.

Wie die unterschiedlichen Formen der Merkmalzuweisung zeigen, lässt sich die eigene Person als aktiver Konstrukteur ihres Selbstkonzeptes dahingehend verstehen, als sie entscheiden kann, welches Verhalten sie zeigt und mit wem sie sich vergleicht. Dabei variieren Menschen hinsichtlich des Ausmaßes, in dem sie ihre eigene Person ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen und damit wie stark sie dazu neigen, Informationen über sich zu gewinnen.

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