Zündels Abgang:

Für die Bahnfahrt hatte er eine deutsche Zeitung gekauft und sich auf die Lektüre gefreut. Aber schon das Wort ›Maßnahmenpaket‹ nahm ihn fast bis Como in Anspruch. Jenseits der Landesgrenze verweilte er lange bei der Bezeichnung ›Sattelgriff mit Antirutschnoppen‹. Auch darin sah Zündel eine imponierende Gegenposition zu seinem Lebensgestolper.

Zündels Abgang: Roman" von Markus Werner

Es gab offenbar so etwas wie ein Kartell der Einfalt; dümmliche Leute lasen dümmliche Kritiken und sahen sich dann dümmliche Filme an. Seit einigen Tagen hatte ich in diesem Kartell eine leitende Stelle inne.

Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman
Wilhelm Genazino

Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns. Das glaube ich.

Franz Kafka (In einem Brief an Oskar Pollak / 1904)
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6.2.3.1 Selbstkonzept

peterduschwuchtel:

(S.92)
Das Selbstkonzept stellt die kognitive Repräsentation des Selbst dar. Hierzu gehören sämtliche Wissensbestände sowie Annahmen bzw. Überzeugungen, welche ein Individuum über die eigene Person hat. Beim Selbstkonzept handelt es sich somit um ein selbstbezogenes Wissenssystem. Dabei wird angenommen, dass unsere Selbstkonzepte (oder Selbstschemata) bestimmen, welche Informationen wir überhaupt als selbstbezogen wahrnehmen und wie wir diese strukturieren. Epstein (1991) spricht in diesem Sinne von einer Theorie, die eine Person über sich selbst gebildet hat. Diese Selbsttheorie weist nach Epstein (1991) folgende Funktionen auf: (1) Assimilation der Daten aus der Realität und Erhaltung des konzeptuellen Systems, (2) Ehaltung einer ausgewogenen Lust-Unlust-Balance, (3) Erhaltung der Verbundenheit zu anderen Individuen und (4) Erhaltung eines wünschenswerten Ausmaßes an Selbstachtung.

Woher erhalten wir die Informationen, um eine Theorie bzw. ein Konzept von der eigenen Person zu konstruieren? Als wesentlichste Quellen für den Aufbau und den Wandel von Selbstkonzepten gelten seit der umfassenden theoretischen Analyse von Filipp (1979) folgende Formen von Prädikatenzuweisungen:
Direkte Prädikatenzuweisung durch andere Personen: Eine direkte sprachliche Merkmalzuschreibung (z.B. “ Du bist ein fauler Schüler”) geht von einem unidirektionalen Wirkungsgefüge aus, in dem Fremdzuschreibungen ( die Urteile anderer) den Selbsturteilen ursächlich vorausgehen.
Indirekte Prädikatenzuweisung durch andere Personen: Indem sich Menschen anderen gegenüber in spezifischer Weise verhalten, vermitteln sie ihm auch Informationen über die eigene Person. Indirekte Merkmalzuschreibungen sind also solche, die eine Person im Zuge interpretativer Schlussfolgerungen aus dem Verhalten anderer gewinnt.
Komparative Prädikatenselbstzuweisung: Menschen vergleichen sich bezüglich verschiedener Merkmale mit anderen und generieren hierdurch Merkmalszuschreibungen für die eigene Person (z.B. “Ich bin intelligenter als Hans”).
Reflexive Prädikatenselbstzuweisungen: Selbstbezogene Informationen werden aus der Selbstbeobachtung des eigenen Verhaltens und den daraus gezogenen Rückschlüssen gewonnen. Beispielsweise kann sich eine Person während der Prüfung beobachten (z.B. schnellen Herzschlag und fehlenden Sprachfluss wahrnehmen) und daraus schließen, dass sie wohl ein prüfungsängstlicher Mensch ist.

Wie die unterschiedlichen Formen der Merkmalzuweisung zeigen, lässt sich die eigene Person als aktiver Konstrukteur ihres Selbstkonzeptes dahingehend verstehen, als sie entscheiden kann, welches Verhalten sie zeigt und mit wem sie sich vergleicht. Dabei variieren Menschen hinsichtlich des Ausmaßes, in dem sie ihre eigene Person ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen und damit wie stark sie dazu neigen, Informationen über sich zu gewinnen.

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