Die pissende Kuh oder Betrachtungen zur Kindheit

2. Juli 2014 Uncategorized

Der kühle Morgen und der dampfende, phänomenal volle Strahl einer pissenden Kuh. Wippende Bachstelzen und ein ganzer Strauch voll mit winzigen hellgrün strahlenden Laubfröschen.
Der spriessende Busen meiner Cousine und ihr Lachen, als sie sieht, dass ich ihn errötend betrachte. Ihre Frechheit, mich zu fragen, ob er mir gefällt und unser befreites Lachen, weil er mir gefällt.
Wie grauenhaft weit mein Leben auf einmal von alldem entfernt ist – und das Leben meiner Kinder.  Als wir früher einmal Heiligabend bei Freunden zu Besuch waren und wir uns draussen auf dem Hof nach dem Kirchgang trafen – da fielen dicke Schneeflocken vom Himmel und Linus, der damals drei oder vier Jahre alt gewesen sein mag, hob seine Hände zum Himmel und fragte erstaunt mit leiser Stimme: Was ist das?
Wie still alles war und wie bezaubernd dieser Augenblick voller Magie.
Jetzt ist er 16 und fast zwei Meter groß. Er spielt World of Warcraft – in einer Rolle ist er ein Magier und ich frage mich, wie dieser virtuelle Hokuspokus die Magie der Natur so vollkommen ablösen konnte. Ob es am Alter liegt oder am älter werden, ob die Sicht auf die Welt sich verändert mit der Zeit? Ob wir großartige Erfahrungen sammeln und diese dann nur durch die Wiederholung zu Banalitäten werden?
Oder ob es einfach diese Gelegenheit gibt sich gefahrlos seinen Allmachtsphantasien hinzugeben – die Welt nicht wirklich zu er-leben, sondern sich  in eine programmierte Welt zu begeben, die keine Um-Welt ist, sondern ein sondierter Quark, der keine Risiken birgt außer der, das die Salzstangen aus der Tüte fallen.
Aber ich werde gemein – es ist halt seine Welt. Und ich bin ziemlich erfolglos bei diesen Spielen – meistens werde ich schneller umgebracht als ich gucken kann, weil ich halt auch blind bin wie eine Natter 😉

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