Lilli

12. April 2014 Uncategorized

Lilli ist tot – sie wurde vorgestern eingeschläfert. Sie hatte Dackellähmung und konnte nicht mehr laufen – sich nicht mehr bewegen. Eine Dackellähmung ist eine Art Bandscheibenvorfall, der meist kleine Hunde betrifft und auch nur manche Rassen. Der Tierarzt meinte, sie müsse operiert werden. Dann wurde gerechnet – 2500 Euro für die Operation mit einer 50%igen Heilungschance und anschließendes zweistündiges tägliches Training über Monate.
Das waren die Fakten. Für einen Menschen würde man nicht rechnen. Aber im Gegensatz zu einem Menschen muss das Tier sterben, weil man nicht die Zeit hat, sich zu kümmern und nicht das Geld für eine kostspielige Operation. Das sind die Fakten und das ist die bittere Wahrheit. Sie war nicht mein Hund, man wollte sich bei mir nur die letzliche Bestätigung dafür holen, dass es besser sei, den Hund einzuschläfern.
Was sollte ich da sagen? Das Hunde fühlende Wesen sind wie Menschen – dass sie die Buddhanatur haben wie alle fühlenden Wesen? Dass es nicht angeht, ein Wesen mit Buddhanatur zu töten?
Oder das es besser sei, ein Tier, wenn es leidet, von seinem Leiden zu erlösen.
Ich habe mich für die zweite Variante entschieden – es ist schließlich mein Glaube, es sind meine Konzepte – und dazu geraten sie einschläfern zu lassen.
Mein Rücken ist breit, habe ich gedacht, besser ich rate dazu und entlaste wenigstens das Frauchen mit meinem Rat – nehme ihr ein wenig ihrer Verantwortung ab, wenn das geht. Das würde ihr die Entscheidung leichter machen.
Weil ich eben weiß, daß kein Geld und keine Zeit da sind und letzten Endes viel Quälerei auf allen Seiten niemanden glücklich gemacht hätte.
Denn da sind ja noch die Fakten. Die unerträglichen Zahlen – drohende Rechnungen – Zeit, die man nicht hat und die man investieren muss in eine Therapie, deren Erfolg nicht absehbar ist.
Ich hatte Lilli am Abend vorher noch ins Haus getragen, sie war so am Zittern und wimmerte leise. Da hatte ich schon kein gutes Gefühl und habe ihr noch ein paar Mantren unter ihre Schlappohren geflüstert, um ihr zu helfen. Am nächsten Tag kam dann der Anruf mit der Diagnose und die Frage, was man tun solle.
Und zwei Stunden später eine SMS, dass sie eingeschläfert worden war. Jetzt hoffe ich, dass die Mantren ihr zu einer besseren Wiedergeburt verhelfen. Aber das ist auch nur mein Glaube, meine Konzepte – und ich fühle mich so traurig und Scheiße wie lange nicht mehr – und das trotz meiner Buddhanatur.

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