zwielicht

ein op-besteck dein wesen
ein skalpell deine zunge
feine schnitte deine worte
mit denen du selbst
meine not sezierst

dein lachen eine salbe
deine berührung ein pflaster
deine nähe ein allheilmittel
mit denen du selbst
meine not kurierst

Stromern

Auf Tumblr stromere ich ein wenig auf den Seiten anderer – das Wort stromern liebe ich – sogleich entsteht in mir das Bild von langgezogenen niedrigen Wellen, die sich an glatt geschliffene Felsen schmiegen und fort gleiten in einem ununterbrochenen Fluss. Manchmal stellt sich ein Photo oder ein Text in den Weg – ein kleiner Felsen, der den dahingleitenden Fluss aufhält, die Strömung bricht und das Wasser schäumen lässt, in Wallung bringt.

Und dabei hat stromern eben nichts mit Wasser zu tun – mit dem Strom, sondern eher etwas mit herumstrolchen, aber wenn man auf einer Party die Frage stellt: hey sagt mal, wenn ihr das Wort Strom hört, denkt ihr dann an Elektrizität oder an einen breiten langsam fliessenden Fluss? Und wenn ihr das Wort stromern hört, denkt ihr dann an streunen oder an fliessendes Wasser? Und es antwortet auch nur einer: ich denke sofort an Wasser, dann solltet ihr mit demjenigen schwimmen gehen für den Rest eures Lebens. Wie selten begegnen wir einer Wasserseele – einem Ozean, einer mit uns hingleitenden begleitenden Seele?