Wortsplitter

wohin

1. Juni 2015 Texte

Wohin gehst du wenn du frierst –wenn du nicht einmal weißt, ob dir das Leben kalt erscheintoder der Hunger nach Leben dich frieren lässt?wenn am Puls der Zeit Schnittwunden zu sehen sindDruckwellen fühlbar werdenwohin gehst du?

Haftende Erinnerung 1

8. August 2014 Uncategorized

In kurzen Hosen im Wald spielend mit Freunden. Ein offensichtlich krankes Kaninchen, das mit verklebten Augen, blind und voller Panik zu fliehen versucht und dabei immer wieder frontal gegen die Stämme der Tannen läuft. Ganz blutig ist es und entsetzlich stumm. Als der Älteste bin ich schnell auserkoren es einzufangen – in eine Tüte zu stecken und mit einem dicken Ast zu erschlagen. Ausgerechnet ich, der ich empfindlich war gegen Brutalitäten jeder Art und der es kaum ertragen konnte, wennWeiterlesen

Die pissende Kuh oder Betrachtungen zur Kindheit

2. Juli 2014 Uncategorized

Der kühle Morgen und der dampfende, phänomenal volle Strahl einer pissenden Kuh. Wippende Bachstelzen und ein ganzer Strauch voll mit winzigen hellgrün strahlenden Laubfröschen.Der spriessende Busen meiner Cousine und ihr Lachen, als sie sieht, dass ich ihn errötend betrachte. Ihre Frechheit, mich zu fragen, ob er mir gefällt und unser befreites Lachen, weil er mir gefällt.Wie grauenhaft weit mein Leben auf einmal von alldem entfernt ist – und das Leben meiner Kinder.  Als wir früher einmal Heiligabend bei Freunden zuWeiterlesen

Schweigen

20. Mai 2014 Uncategorized

Jetzt steht wieder ein Umzug an – raus aus der ländlichen Stille, die nur unterbrochen wird von Rasen mähenden Nachbarn oder dem Bauern, der das wunderbar duftende frisch gemähte Gras wendet. Jetzt geht es wieder rein in die Großstadt, in ein Zimmer mit Blick auf eine vielbefahrene Straße. Aber was stört mich der Lärm dieser provinziellen Metropole angesichts der Tatsache, dass ich mit meinen naiven Vorstellungen vom Zusammenleben in einer Haus-WG komplett gescheitert bin.Nicht dass es Streit gegeben hätte –Weiterlesen

Lilli

12. April 2014 Uncategorized

Lilli ist tot – sie wurde vorgestern eingeschläfert. Sie hatte Dackellähmung und konnte nicht mehr laufen – sich nicht mehr bewegen. Eine Dackellähmung ist eine Art Bandscheibenvorfall, der meist kleine Hunde betrifft und auch nur manche Rassen. Der Tierarzt meinte, sie müsse operiert werden. Dann wurde gerechnet – 2500 Euro für die Operation mit einer 50%igen Heilungschance und anschließendes zweistündiges tägliches Training über Monate.Das waren die Fakten. Für einen Menschen würde man nicht rechnen. Aber im Gegensatz zu einem MenschenWeiterlesen

Bilder

29. März 2014 Uncategorized

Kennst du das Gefühl, in einer Kunstausstellung vor einem Bild zu stehen, daß dich magisch anzieht und zu dem du immer wieder zurückgehst, weil es dich nicht loslässt? Sehr schnell verschwindet alles ringsherum hinter einer Mauer aus Stille, als würde sich die Welt im Raum auflösen – nur das Bild bleibt und hinterlässt eine sonderbare Tiefe und Ruhe. So fühlt sich für mich Glück an – und so geht es mir, wenn ich vor dir stehe.

Genazino

28. März 2014 Uncategorized

Ich las in einem Roman von Wilhelm Genazino über das Leben eines Angestellten, der sich seinem Therapeuten gegenüber äußert und von seinem Vater erzählt. Dieses Bild war derart präzise gezeichnet, daß ich die Schublade, das Lineal und das alte hart gewordene Radiergummi geradezu riechen konnte – und ebenso die Verzweiflung meines eigenen Vaters, die im Laufe der Jahre, die er sitzend an seinem Schreibtisch im Wohnzimmer verbracht hatte, in stille Stumpfheit übergegangen war. Wie er peinlich genau die Packung mitWeiterlesen

Grenzen

18. März 2014 Uncategorized

Was ist das für ein gemeinsames Karma, dass man sich begegnet und sich nicht wirklich gut tut, nicht wirklich nützt, sondern nur immer Grenzen aufzeigt, Schmerzensgrenzen, Lustgrenzen, Schnitte im eigenen Fleisch, wenn kein Ich mehr vorhanden ist, nur noch Verletzung der eigenen Grenzen und man sich nicht verlieren kann in diesen doch in Wahrheit sehr nahen Gefilden. Wenn du verloren gehst in deiner eigenen Wüste, deinen Bedürfnissen nach Nähe, die nie erfüllt wurden, nicht einmal von dir selbst. Wenn daWeiterlesen

Sonntags Lassie

16. März 2014 Uncategorized

Sonntags, so erzählte mir eine Freundin, Sonntags musste sie mit ihrer älteren Schwester immer Fernsehen gucken. Was sie eigentlich, außer zu bestimmten Zeiten, nicht durfte, war sonntägliches Gebot. Die Mutter wurde laut, wenn ihr Befehl nicht befolgt wurde und noch lauter wenn er befolgt wurde, aber dann erst später, was sie selber auch erst später bemerkte. Es war auch eine andere Art des Laut werdens, des Laut gebens, höher, heller, verzweifelter, aber nicht so wütend. Sie machte ihre Schwester daraufWeiterlesen

Primaten

15. März 2014 Uncategorized

Sicher ist es die Art, wie Frauen lächeln oder manchmal lauthals lachen, sicher sind es auch ihre Augen, und wie sie mich anschauen, obwohl mir Augen manchmal Angst machen. Blicke ziehen aus, ob es nur die Klamotten sind oder die Seele ist egal. Es schmerzt mich manchmal und beschämt hat es mich oft. Die Blicke von Frauen, die taxieren und fixieren. Irritierenderweise waren es oft Frauen, die mir von den sie ausziehenden Blicken von Männern erzählt haben, von den offensichtlichWeiterlesen

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