alte Kneipe

23. Januar 2020 Texte

Kein Mensch will mehr diese alten Wirtshäuser besuchen. Mit den gelben Butzenscheibe, den Kotzbecken mit breiten Griffen zu beiden Seiten und den gelben vollgepissten Urinalen.

Erbost wie sie war, wollte Sie ihn sofort zur Rede stellen und stürmte in das Wirtshaus zum Keiler. Als sie sich in Richtung des Stammtisches wälzte, zeigte Hubert gleich in Richtung der Toiletten. Sie drehte in voller Fahrt in den hinteren Teil des Gasthofes und stoppte kurz vor der braun gestrichenen Tür, auf der ein Aufkleber mit einem gelben Männeken Piss klebte. Sie zögerte nur kurz und stieß die Tür auf.
Arthur hatte sich dermaßen die Kante gegeben, dass er sich an den Haltegriffen des Kotzbeckens festhalten musste. Irene sah von hinten wie sich sein Oberkörper rhythmisch krümmte, während die Kotze schubweise aus ihm heraussplatterte wie die Gülle aus dem Güllefass hinter dem Trecker, auf dem er üblicherweise saß.
Das mochte sie an diesen alten Wirtshäusern – sie boten einem in den schwierigsten Lebenslagen einen gewissen Halt.
Er beendete das Schauspiel, wischte sich mit dem Ärmel seinen Mund ab und drehte sich um. „Was willst du von mir?“ Er würgte erneut.
„Ich hab dir nix mehr zu sagen.“ Er schob sich schwankend an ihr vorbei zum Waschbecken, um sich die Hände zu waschen, und spülte sich sogar den Mund aus. Alle Achtung, er schien seine Würde nicht komplett verloren zu haben. Aber vielleicht war das für ihn auch nur ein oft geübter Ablauf.
„Du musst nicht glauben, dass ich dir was schulde.“
Sie sagte noch immer kein Wort, beobachtete ihn nur aufmerksam und distanziert wie ein Tier, von dem sie nicht wusste, was es gleich tun würde.

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