Friedallee

23. Januar 2020 Texte

Eine Friedallee – wer kennt nicht die netten Friedwälder, in denen Menschen ihre verstorbenen Angehörigen zur letzten Ruhe betten. Sehr gespenstisch das und eigentlich für mich auch nicht zu verstehen. Das ist doch sehr egoistische, wenn man, weil man lieber im Wald spazieren geht als über einen doofen Friedhof, seinen Vater oder seine Mutter in einem eigens dafür hergerichtetenWald begraben lässt.
Da sucht man dann seinen Baum, bzw. den, unter dem die Angehörigen begraben liegen und legt Blumen ab. Das Ganze ist recht unsortiert und ich habe einfach kein gutes Gefühl bei so einer Art Bestattung mitten in einem Wald. Ich meine, was würden denn die Angehörigen dazu sagen, wenn sie es nicht selbst so bestimmt haben. Dabei will man eigentlich nur die Grabpflege nicht bezahlen, weil man zu geizig ist und man eh nie wieder dort hinfahren wird. Und wenn wir ehrlich sind: warum auch?
Da steht man dann dumm rum und versucht sich in Trauer oder denkt an frühere Zeiten, wo sowieso alles besser war und eigentlich ist es ein Scheissdreck und man ist froh, dass der ganze Sermon vorbei ist. Weil es sowieso nervig war mit den dementen Eltern.
Besser wäre allemal eine Friedallee, da fährt man einfach mit dem Auto über diese Allee und kann ein paar Blumen aus dem Auto werfen. Und fertig ist der Friedhofsbesuch.
Effizient und dem Anlass angemessen. Keine geheuchelte Trauer, man sitzt schön im bequemen und warmen Auto und es dauert nicht so lange, bis man den Baum gefunden hat. Weil man wirft die Blumen einfach aus dem Auto und fertig damit.

Riesige Braten im Garten bei meinem Vetter Gerd an Grilltischen. Ein Schweinebraten, der so groß ist, dass die Scheiben mit einem Säbel abgespalten werden. Und das hat sich ein Ehepaar zubereitet voller Stolz. Ich soll Holz im Keller besorgen sagt meine Mutter. Ich gehe in den Keller meines Elternhauses und schaue in eine Art Regal. Ich erinnere mich auch an die Bretter in der Tischlerei meines Opas. Dort wurden die Bretter aus riesigen Baumstämmen gesägt und dann in Stapeln, die wie Regale aussahen, gelagert. So, dass sie trocknen konnten und sich nicht verzogen. Das war sehr strukturiert, weil das Holz, bevor es weiterverwendet wurde, erst richtig lange gelagert werden musste.
Aus so einem Regal faucht mich ein Narwal an und ich denke, so heißt das Tier doch gar nicht und in der Tat handelt es sich beim Narwal um einen Wal, der ein Horn hat so wie ein Einhorn, und ich meinte bestimmt einen Ozelot, denn so sah das Tier eher aus. Auf jeden Fall faucht es ärgerlich und kommt dann hervor. Es ist ungefähr so groß wie eine Katze. Es springt auf den Boden und hat ein weiches Fell, jetzt ist es aber keine Art Katze, sondern ein kleiner Drache mit einem weichen und schönen bunten Fell, der mein Bein hochklettert und sich an mich schmiegt. Wir kuscheln sozusagen und ich habe Befürchtungen, dass der kleine Drache bei aller Liebenswürdigkeit irgendwann vielleicht Feuer speien wird, während er auf meinen Schultern liegt und leise mit mir spricht.

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