Rezension des Romans “Sieben Richtige“ von Volker Jarck

31. August 2020 Rezensionen

Beteiligte Personen: Eva Winter, Victor Faber, Marie Faber-Schiemann, Nick Faber.
Die Nachbarn: Kathy Ziemer, Roland Ziemer, Greta Ziemer, Linda, Tim, Lucia.
Und noch einige weitere Personen.

Orte: Bochum oder Köln, Boston oder Rom.

Es geht um die Zufälle des Lebens, wenn sie denn Zufälle sind.

Zeitraum:
11. Juli 2018 bis 18. November 2044

So überschaubar wie die Personenzahl ist, so beliebig zusammengewürfelt erscheint einem auf den ersten Blick die zumindest nach optischen Gesichtspunkten zeitlich und räumlich klar strukturierte Geschichte.
Jedenfalls beginnen die Kapitel größtenteils mit Orts- und Zeitangaben und da werde ich schon stutzig. Das Zusammenspiel der Personen in einem Roman geschieht für mich über die Handlung und nicht über Regieanweisungen wie in einem Drehbuch. Als ob der Autor nicht auf die Kraft der Geschichte vertraut hätte. Und da beginnt meine Kritik an der reinen Erzählung. Handelt es sich hier um einen Roman? Nicht, dass mich die Einordnung von belletristischen Werken in Kategorien interessieren würde, ich stehe nicht so auf Schubladen, aber der Verlag hat es so gehalten, und immerhin sind es hier 320 Seiten Lektüre, auf die man sich einlässt.
Da wird nicht eine zusammenhängende Geschichte erzählt, sondern viele Ereignisse im Leben bestimmter Personen, die unmittelbar oder am Rande miteinander verknüpft sind. Das ist ja in Romanen nicht anders, nur dass hier die Verknüpfungen vom Leser selbst hergestellt werden müssen. Das macht das Lesen etwas mühsam, aber auch das besondere am Erzählen Volker Jarcks aus.
Ein interessantes Konzept zumindest. Wie eine Perlenkette reihen sich die durchaus kurzweiligen Episoden aneinander, die Zusammenhänge werden dem Leser schon – zumindest nach einiger Zeit – klar.
Da muss man drauf stehen, gerade wenn man ein lückenhaftes Kurzzeitgedächtnis wie ich hat.
Der Schreibstil allerdings hat mir sehr gut gefallen. Es beginnt für mich wie der eher neutrale Bericht eines auktorialen Erzählers, der allerdings eine Neigung zu bemerkenswerten Formulierungen hat, die er seinen Protagonisten unterschiebt.
„Die Fragen fallen wie tote Sterne vom Abendhimmel, Eva versucht wach zu bleiben, bis jemand sie beantwortet. “
„Ein Cabrio, dachte Eva, ist eine Aufforderung an das deutsche Wetter, abrupt umzuschlagen.“
„Die leere Hälfte des Bettes kommt ihm vor wie der letzte Stopp einer Stadtrundfahrt, deren Höhepunkte er schon vergessen hat.“

Das finde ich großartig. Wenn man auf diese Bonmots steht, ist der Roman ein bedeutender Genuss.

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